Die Kursstufe- wie sehr mich die Abivorbereitung belastet

Heute ist Tag der Erlösung. Meine Lehrer sind gezwungen, meine Noten abzugeben .Also eigentlich meine Punkte.In 3 Wochen ist der erste Tag der Sommerferien, die ich kaum noch abwarten kann. Das vergangene Schuljahr war für so stressig, dass ich froh bin, wenn ich etwas länger abschalten kann, denn der Stress hatte weitaus größeren Einfluss als ich dachte. 



Nachdem ich das Schuljahr 2015/16 mit überraschend guten Noten abgeschlossen habe, bin ich voller Tatendrang und ein wenig Vorfreude in die 11. Klasse gestartet. Jahrgangsstufe 1 oder Kursstufe 1, wie man will. Vom ersten Tag an hab ich gespürt, dass es wirklich ernst wird, was mir weniger Sorgen bereitet hat. Mit der Umstellung von Noten auf Punkte kam ich gut klar, ich wusste auch ganz genau welche Punktzahl ich in welchem Fach erreichen will und mir war klar, dass ich noch mehr Fleiß in die Schule investieren muss, damit ich gute Ergebnisse abliefern kann. Ich war mir richtig bewusst, dass es nicht leicht werden wird und es nun keinen Lehrer mehr interessiert, ob ich dem Unterricht folgen kann oder nicht und es auch keine Entschuldigungen mehr für ungemachte Hausaufgaben etc gibt. Aber das war mir gerade recht, weil ich viel lieber alles selbstständig erledige und meinen eigenen Plan verfolge.



Die ersten Wochen liefen sehr gut, so mein Gefühl. Die ersten Klausuren kamen dann aber nicht so gut bewertet zurück, wie ich es gedacht habe. Ich habe erst überhaupt nicht verstanden, warum meine Bemühungen nicht ausreiche, was an meinen Antworten nicht korrekt war und worin meine Fehler lagen. Die erste Klausurenphase ging von Ende Oktober bis Anfang Januar. Nach einer Weile habe ich mich an die neue Ordnung gewöhnt und habe zufriedenstellende Ergebnisse geschrieben. Mein Ehrgeiz war so extrem stark, dass ich auch krank in die Schule gegangen bin und bis spät in die Nacht gelernt habe. Trotz des Stresses und des Drucks, den ich mir teilweise selbst aufgebunden habe, bin ich fast jedes Wochenende arbeiten gegangen und habe auch dort in meinen Pausen gelernt, schließlich wollte ich gute Noten und habe diese auch bekommen. Und irgendwann hat es angefangen, so etwa Mitte Dezember, dass ich samstags aufgewacht bin und erschrocken auf die Uhr geblickt habe, als ich gesehen habe, dass es draußen schon hell war. Mit Tränen in den Augen bin ich ins Badezimmer gerannt und habe mich fertig gemacht und wollte schon los zur Schule, bis ich realisiert habe, dass es Wochenende ist. Und so lief das bis in die erste Ferienwoche. Fast zwei Wochen lang habe ich im Halbschlaf von Schule, Klausuren und Fehltagen geträumt und habe am Wochenende nicht ausschlafen können weil ich um 7:55 aufgewacht bin, denn mein Körper hat sich an den Rhythmus gewöhnt und war um diese Uhrzeit zur Arbeit bereit.
Als ich am 27. Januar mein Zeugnis ( nicht Halbjahresinformation, ZEUGNIS!) in der Hand gehalten habe, war ich schon sehr stolz. In vielen Fächern habe ich tatsächlich sehr gut abgeschnitten, sogar besser als erwartet. Das erste Halbjahr hatte ich hinter mir, Unterpunktet nur in Mathe ( was ich wusste) und 2 der 3 Pflicht-GFS gehalten. Danach fing es auch langsam an, dass ich am Wochenende aus gegangen bin und der Druck nachgelassen hat. Schließlich konnte man die Lehrer mittlerweile einschätzen und wusste, wie das ganze Prinzip läuft. Die nächsten 7,5 Wochen habe ich keine Klausuren mehr geschrieben und hatte eigentlich viel Zeit um meine Freizeit bunt zu gestalten. Die Kommunikationsprüfung in Französisch, von der ich unnormale Angst hatte, lief wirklich sehr gut und auch sonst habe ich in den Fächern deutliche bessere Ergebnisse erbracht. Die nächste Zeit war zwar relativ gut mit Klausuren gefüllt, aber alles überschaubar. Aber so wie ich bin, blind vom "Erfolg" des ersten Halbjahres habe ich weder meine Wochenendetrips noch das Arbeiten während der Klausurenzeit eingestellt. So kam es auch mal vor, dass ich komplett unvorbereitet in Klausuren und Tests gegangen bin und auch gerne mal gar keine Vorbereitungen für den Unterricht gemacht habe. Und das ist dann so typisch Ich! Sobald es gut läuft, lass ich nach. Im Nachhinein ärgere ich mich so unnormal und würde mich am liebsten selbst für diese kindischen Entscheidungen bestrafen. Klar gab es auch Fächer in denen ich deutlich bessere Klausuren zurückbekommen habe und die in diesem Halbjahreszeugnis mit einer deutlich höheren Gesamtpunktzahl stehen werden aber ich vernachlässige es irgendwie, dass am Ende der Durchschnitt aller Halbjahre dastehen wird. Ich gebe mich nicht mit diesen Ergebnissen zufrieden, ich lasse mein Leben aber auch nicht links liegen. Dieser Zwiespalt bringt mich so oft in Stress. Meine Seminararbeit ist das aller beste Beispiel dafür. Hätte ich doch nur ein oder zwei Abende daheim verbracht und mich vorher an die Arbeit gemacht, hätte ich absolut keinen Druck gehabt.



Von Anfang des Jahres bis zum heutigen Tag habe ich alle Noten dokumentiert. In einer schönen Tabelle stehen meine Punkte in jeder Klausur, jeder GFS und aus jedem Test. Ich kann meine mündliche Mitarbeit auch so einschätzen, dass ich meine Endnoten ungefähr ausrechnen könnte, ich lass es aber. Ich habe noch ein paar Wochen vor mir und ich werde weiterhin so gut mitarbeiten wie bisher aber ich habe auch den Entschluss gefasst, dass ich das nächste Jahr definitiv den Großteil meiner Energie in die Schule und meine Leistungen stecken werde. In diesem Fall werde ich auf alles verzichten, was nötig ist, dass ich mit einem Abizeugnis die Schule verlassen, mit dem ich zufrieden bin. Schon am Ende der 9. Klasse habe ich gesagt, dass ich ein Jahr "Pause" machen werde, wenn ich mit der Schule fertig bin. Bevor ich mir den Stress für weitere 5 Jahre gebe, werde ich mich erst einmal für die letzten 12 Jahre belohnen. Meine Noten sind oft gut und ich kann gute Ergebnisse abliefern aber etwas in mir hält mich davon ab. Es ist nicht Faulheit oder etwas in der Art, es ist dieser sture Gedanke, dass ich mich für die Schule nicht verbiege. Ich lasse es nicht zu, dass das Leben an mir vorbeizieht nur weil ich das Gymnasium beenden will, mit guten Ergebnissen.



In diesem Jahr habe ich keinen Koffeinkosum deutlich erhöht. Kaffee gehört zu meinen Grundnahrungsmittel und auch Energiedrinks sind fester Bestandteil meiner Ernährung. Zwar trinke ich Kaffee ungesüßt und meistens schwarz und Energiedrinks ohne Zucker aber trotzdem kann ich mir vorstellen, dass der Genuss dieser Getränke definitiv keinen guten Einfluss auf meinen Körper hat. Ich habe eine Zeit lang auf beides verzichtet, einfach um den Konsum zu senken aber ich muss sagen, dass es mir auch schmeckt. Mittlerweile versuche ich unter 2 Tassen am Tag zu bleiben. Aber Kaffee hat sich als gutes Anti-Stress-Mittel gezeigt!
Ich habe meine Pfingstferien gut geplant und viel vorbereitete. Ich wollte in den letzten Klausuren und vor allem in meiner mündlichen Abiturprüfung nochmal alles rausholen und habe dafür wirklich viel Zeit geopfert. Die Sommerferien werden lernfrei. Definitiv. Viellicht werde ich mich mit den schulischen Themen beschäftigen, die mich interessieren aber ich werde mich nicht das kleinste Bisschen anstrenge. Ich werde mich komplett erholen und Energie für das nächste Jahr tanken. Ich habe die Daten für meine Abitur schon: 18.04.18 Deutschabitur, 20.04.18 Englischabitur, 23.04 Wirtschaft und 02.05 Mathematik. Und danach kann ich nachholen, was ich die restliche Zeit verpasst habe. Ich habe mir vorgenommen, wenn es sein muss, feire ich meinen 18. Geburtstag nicht, lasse ich sämtliche Familienfeiern sausen und vernachlässige den Blog, aber ich muss das erreichen, was ich erreichen will.



Für alle, die nun in die Kursstufe kommen, kann ich sagen, dass es viel Kraft und Wille benötigt diese Zeit durchzustehen. Ich habe nie besonders viel gelernt und meine Noten waren nicht unbedingt lobenswert aber ich will das so sehr und ich muss meinen Willen einfach bekommen. Mit wirklich sehr guten Schülern habe ich über dieses Thema gesprochen und natürlich ist es einfacher, wenn man in den letzten Schuljahren aufmerksam war und immer fleißig gelernt hat, denn alles, was jetzt abgefragt wird, basiert auf den Grundlagen, die uns in den letzten Schuljahren beigebracht wurde. Aber keine Angst, ich war kein Musterschüler und ich habe es trotzdem geschafft, mir das wichtigste Material in kurzer Zeit selbst beizubringen. Die wertvollste Erkenntnis war, dass ich mir selbst bewusst gemacht habe, wie sehr ich das ganze Schulding will und wie wichtig es mir ist. Ich komme ohne einen guten Abschluss nicht weit und vor allem werde ich meine Träume mit wenig Geld kaum in Erfüllung bringen können ( Reisen, Handtaschen und sonst noch so was sich mit Geld kaufen lässt). Es war auch sehr wichtig, dass ich meine eigene Strategie fürs Lernen entwickelt habe. Ich musste mich da ziemlich durchprobieren, doch ich habe einen Weg gefunden und wenn es sein muss, räume ich alles andere von diesem Weg um stolz zum Ziel zu kommen.



XX Valentina
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